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Erfahrungsbericht Burkina aktuell



Unsere Reise nach Burkina Faso

Als ich erfahren habe, dass eine Reise der Aktiven Jugend im Rahmen des Ramadan Extra Paket Projekt nach Burkina Faso geplant war, habe ich mich umgehend gemeldet. Die Möglichkeit, bei einem Hilfsprojekt mitwirken zu können und gleichzeitig das für mich unbekannte Kontinent Afrika bereisen zu können, erfüllte mich mit einer riesigen Vorfreude. Damals wusste ich jedoch noch nicht, wie sehr diese Erfahrung mein Leben verändern würde.

Für die Menschen, die noch nie etwas von diesem Ort gehört haben: Es ist ein Land im Westen von Afrika. Im Norden grenzt es an Mali, im Osten an Niger und im Süden an Benin, Togo, Ghana und die Elfenbeinküste.

Die Projektreise beinhaltete den Besuch der Waisenkinder und das Übergeben von ca. 1200 Lebensmittelpaketen, wodurch sehr vielen Familien dort geholfen werden konnten. Unsere Reise führte uns auch zu dem bereits fertigen Projekt der Aktiven Jugend “Wasserbrunnen Bilali Habeshi” in der Nähe von Ouagadougou.

Außerdem war auch die Eröffnung eines neuen Projekts am Start, und zwar ein Nähkurs für Schülerinnen.

Es begleiteten mich vier andere ehrenamtliche Mitglieder der Aktiven Jugend. Wir flogen mit dem Flugzeug von Frankfurt nach Ouagadougou mit einem Zwischenstopp in Istanbul. Dort verbrachten wir die Nacht und besuchten einige Sehenswürdigkeiten wie die Hagia Sophia Moschee, die Sokullu-Mehmed-Pascha-Moschee, sowie die Historische Altstadt.



Am nächsten Tag flogen wir weiter nach Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou, wo wir unsere drei Kollegen aus Ouagadougou und Bobo Dioulasso trafen, die uns eine Woche durch Burkina Faso führen sollten. Sie gaben uns generelle Informationen über das Land. Dort leben über 19 Millionen Einwohner und es werden mehr als 56 Sprachen gesprochen, in fast jeder Stadt, manchmal sogar in jedem Stadtteil wird eine eigene Sprache gesprochen.


Auf dem Weg ins Hotel fielen mir die vielen Motorrad- und Fahrradfahrer auf, die eine komplette Fahrbahn belegten. Ein sehr großer Anteil von ihnen waren Frauen, die ihre Kinder auf dem Rücken gebunden hatten. Die Armut der Menschen stach einem sofort ins Auge, fast überall waren Kinder mit Konservendosen, die um Essen und Geld bettelten.

Angekommen im Hotel fand nochmal eine kurze Kennenlernphase statt, mit unseren drei Freunden aus Burkina Faso, und wir besprachen unseren Wochenplan.



Am ersten Tag in Ouagadougou haben wir 300 Flüchtlingsfamilien getroffen, an die wir Lebensmittelpakete und etwas Bargeld verteilt haben. Diese sind aus dem Norden des Landes vor dem Krieg geflohen, darunter viele Kinder mit zerrissenen Kleidern und Schuhen. Die Kinder bekamen von uns noch Süßigkeiten und Luftballons. Diese Kleinigkeiten hat sie sehr gefreut. In der Danksagung sagte der Imam und gleichzeitig der Sprecher der Gruppe, dass mehrere Familien in gleichen Häusern wohnen und nur schwer an Essen gelangen können. Die Lebensmittelpakete, die durch die Spenden zustande kommen sind das Einzige, was sie in diesem Monat haben werden, um das Fasten zu brechen.


Es war einerseits schön zu sehen, wie sich die Menschen freuten, aber andererseits, auch traurig, dass man in dem Moment nicht noch mehr machen konnte. Man hat sich zwar gegenseitig nicht verstanden, doch die lächelnden Blicke sagten genug aus. Obwohl die Menschen nicht viel haben, teilten viele ihren eigenen Anteil sogar noch mit anderen.


Danach besuchten wir Waisenkinder, die durch die Mitglieder der Aktiven Jugend gesponsort werden und verteilten auch hier Lebensmittelpakete und zusätzlich Geschenke mit Kleidern und Schuhen. Die Dorfbewohner wollten uns zum Abschied ein Huhn schenken, da es eine Tradition ist, einen Besucher nicht ohne Geschenk zu verabschieden. Wir lachten, aber haben dankend abgelehnt.



Am zweiten Tag besuchten wir das Dorf, wo sich der Brunnen Bilali Habeshi befand, der durch die Spenden der Mitglieder der Aktiven Jugend erbaut worden ist. Dieser Brunnen ist ein riesiger Tiefbrunnen mit einer Solarpumpe und einem großen Wasserspeicher und zehn Wasserhähnen an dem sich die Bewohner von fünf Dörfern bedienen konnten. Wir wurden dort von den Kindern herzlich empfangen, die glücklich darüber waren, Besuch zu bekommen und waren auch neugierig auf uns „weiße“ Menschen. Sie alle wollten uns die Hand geben. Zudem waren auch die Bewohner mehrerer Dörfer da, die den Brunnen täglich nutzten.


Wir haben uns hingesetzt und die Könige der Dörfer begrüßten uns und bedankten sich. Anschließend schenkten sie jeden von uns einen Traditionellen Strohhut als Andenken. Sie erzählten uns, dass Wasser für sie Leben heißt und wie essenziell und lebensnotwendig der Brunnen für sie ist.


Außerdem habe sie uns ihre Probleme erzählt, z.B. dass die Schule zu weit weg ist und die Kinder aus diesem Grund viel laufen müssen und auch Gesundheitszentren sowie Gebetsräume fehlen im Allgemeinen.

Die Wasserqualität am Brunnen haben wir vor Ort getestet und dieser war dementsprechend gut, ohne jeglichen Geruch.


Danach haben wir den Kindern Süßigkeiten verteilt und mit ihnen einige Zeit verbracht, indem wir mit ihnen spielten.

Anschließend haben wir die Waisenkinder besucht. Diese waren die Paten der Aktiven Jugend, die regelmäßig aktiv unterstützt werden und ihnen eine Freude bereitet mit Geschenken und wichtigen Gegenständen, die im alltäglichen Leben von Nutzen sind.


Am dritten Tag machen wir uns nach dem Programm von Ouagadougou, auf dem Weg nach Bobo-Dioulasso. Wegen einspurigen Landstraßen, den vielen Motorrädern, Bussen und überladenen LKWs, dauerte die 350 km lange Strecke mehr als 6 Stunden.



Auf dem Weg besuchten wir den Bazoule See, in der sich für die Dorfbewohner „heiligen“ Krokodile befanden. Am Anfang waren keine Krokodile zusehen, jedoch lockte der Reiseführer die Krokodile mit einem Stock, an den ein lebendiges Hühnchen gebunden war aus dem Wasser. Nach und nach kamen um die 30 Krokodile aus dem Wasser. Danach hatten wir die Möglichkeit auf dem Rücken des ältesten Krokodils unter Aussicht uns fotografieren zulassen. Es war ein einmaliges Erlebnis, die einem viel abverlangte und nichts für schwache Nerven ist. Als plötzlich immer mehr Krokodile auftauchten von Zeit zu Zeit und wir langsam umzingelt wurden, entfernten wir uns und rannen Richtung unserer Fahrzeuge.


Anschließend fuhren wir weiter, einige Kilometer vor Bobo-Dioulasso, kamen wir in Bonibon an, ein Dorf mit sehr schlechten Wegen, ohne Strom und Wasser. Im Dunkeln wurden wir von den Dorfbewohnern empfangen und haben uns gegenseitig vorgestellt. Sie erzählten uns über ihre Wasserprobleme, wie schwer es sei täglich Wasser zu holen. Als es spät wurde, haben wir einen Teppich vor die Tür gelegt bekommen und durften draußen auf den Boden schlafen, mit freiem Blick zum Himmel, wo glücklicherweise in dieser Nacht die vielen Sterne im Himmel zu bestaunen waren. Nichtsdestotrotz wurden wir in dieser Nacht mehrmals geweckt, da wir neben den Hühnern, Schafen, Ziegen und Eseln geschlafen haben.


Am nächsten Morgen wollten wir miterleben, wie schwer es ist, für die Dorfbewohner Wasser zu besorgen. Deswegen fuhren wir an den nächstgelegenen Brunnen, der vier Kilometer entfernt war, mit motorisierten Dreirädern auf schlechten Straßen. Am Brunnen begegneten wir anderen Menschen, die Wasser in ihr Kanister füllten. Mit der Fußpumpe füllten wir unsere Behälter, wo uns aber schnell bewusst wurde, dass die tägliche Befüllung der Behälter, keine leichte Aufgabe ist. Zudem war die Wasserqualität bedenklich, da es sehr stark metallisch roch, aber diese Quelle war das Einzige, was dort zur Verfügung stand. Anschließend fuhren wir zurück ins Dorf und besuchten die Dorfschule. In einem kleinen Raum mit nur einer schwarzen Tafel wurden wir von ca. 40 Kindern, die auf dem Boden saßen begrüßt mit Liedern. Die meisten Häuser waren Lehmhäuser.



Nach der Verabschiedung aus der Dorfschule, fuhren wir anschließend weiter nach Bobo-Dioulasso und führten unser Programm fort, welcher der Höhepunkt unseres Projektes war. Hier wurden Lebensmittelpakete für 900 Bedürftige, unter anderem für Witwen und Menschen mit Behinderungen verteilt. Die Regionale Zeitung und ein Fernseherteam war vor Ort und für ein Interview bereit. Der Leiter der Hilfsorganisation betonte, dass diese Hilfen, symbolisch seien und Rassen für uns keinerlei von Bedeutung spielen und dass man weiterhin zukünftige Investitionen im Bereich Bildung und Gesundheit in Burkina Faso plane.


Im Weiteren besuchten wir noch eine Grundschule in denen ca. 120 Kinder in einem Raum unterrichtet werden, aufgrund fehlender Lehrkräfte und fehlender Infrastruktur.

Am darauffolgenden Tag trafen wir über 100 Waisenkinder, indem wir ebenso Lebensmittelpakete, sowie Geld, Kleider und Schuhe für die Kinder verteilt haben. Die Kinder, die nicht kommen konnten, haben wir zu Hause besucht, um ihnen die Geschenke zu übergeben.


Danach haben wir den Bauplatz besichtigt, der für ein neues Waisenhaus vorgesehen ist. Am Abend haben wir gemeinsamen mit paar hunderten Schülern, Iftar essen organisiert und mit den Schülern gemeinsam gegessen.

Hiernach gingen wir in einem Dorf mit landestypischen runden Lehmhäusern und Bambusdächern, ohne Strom und Wasser, wo wir mit Gesang empfangen worden sind, und haben uns daraufhin mit ihnen unterhalten und auch hier Geschenke hinterlassen. Ebenso wurden wir auch hier dafür herzlich bedankt und sie haben wiederum von ihren Problemen, wie der Wasserbesorgung geklagt.



Am letzten Tag eröffneten wir einen Nähkurs für Schülerinnen, die sich neben der Schule noch eine Qualifikation aneignen können, um somit die Möglichkeit haben, in Zukunft ihren Lebensunterhalt eigenständig zu sichern.

Nachfolgend besuchten wir ein weiteres Internat in denen 90 Schüler in einer Hütte aus Bambus und Blechdach leben. Manche der Kinder haben arme, keine, oder Eltern, die in einem anderen Ort leben. In dem einem Raum lagen ihre Kleider, Taschen und Bücher. Ebenso dient dieser zum Schlafen und Essen. Auch diese Schüler sind auf Hilfen und Spenden angewiesen, die lebenswichtig für sie sind. Es ist geplant, den Raum zu vergrößern und eine Küche, Toilette sowie Dusche einzubauen, damit die Schüler nicht in unmenschlichen Verhältnissen ihr Leben weiterführen.

Auf dem Rückweg besichtigten wir die wichtigste Sehenswürdigkeit Burkina Fasos die Zentral Moschee

von Bobo Dioulasso vom Jahre 1880, die bekannt ist für ihre einzigartige Bauart, die im sudanesischen Stil erbaut und mit einer Grundstruktur aus Holz, mit Lehm aufgefüllt ist. Am Ende des Tages machten wir uns auf den Weg Nachhause.


Fazit:

Die Reise nach Afrika hat mir sehr gut gefallen. Ich habe jeden Moment gelebt. Die Menschen waren sehr gastfreundlich und haben uns mit offenen Armen empfangen, so dass ich mich nicht fremd gefühlt habe. Trotzdem hat die Kolonisierung, welcher mehr als über 300 Jahre gedauert hat, tiefe sichtbare Spuren hinterlassen, obwohl das Land voller Bodenschätze ist, wie zum Beispiel Gold und der Landwirtschaft wo Mango, Mais und Gerste gedeiht. Trotzdem wird es weiterhin immer wieder von größeren Firmen ausgebeutet. Das Volk lebt dort am Existenzminimum und kämpft Tag für Tag ums Überleben.

Es war ein schönes Erlebnis, um mal unser Leben zu hinterfragen, wie gut es uns hier eigentlich geht und wir dankbar sein sollten. Die Wirklichkeit vor Ort ist eine andere, die nicht wahrheitsgetreu im Fernsehen oder Internet dargestellt wird.

Es war ein Erlebnis zu erfahren, wie es ist, ohne Wasser, Strom und Internet zu leben.

Ein Highlight für mich waren die Krokodile, die sehr aufregend waren.

Im Großen und Ganzen hat mir das Abenteuer Afrika sehr beeindruckt, die positive sowie gleichzeitig negative Aspekte des Lebens beleuchtet.




İbrahim Avkıran / Deutschland

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